Amazon Fresh ein Ladenhüter?

Start in Berlin

Als Amazon Fresh vor einem Jahr in Deutschland an den Start ging, war man vorsichtig optimistisch, gute Erfahrungen in den USA und Großbritannien waren der Grund. Der neue Lebensmittellieferdienst des Onlinehändlers startete zuerst nur im Ballungsraum Berlin-Potsdam. Im Verlauf des letzten Jahres kamen dann auch Hamburg und München dazu.

Im Angebot sind etwa 85.000 Produkte. Bestellt man noch vor zwölf Uhr, kann die Lieferung schon am Nachmittag erfolgen. Ausgeliefert wird in Zusammenarbeit mit DHL, von Montag bis Samstag. Wer für mehr als 40 Euro einkauft, spart sich die Lieferkosten. Für Prime-Kunden kostet der Service knapp zehn Euro im Monat.

Obwohl der Umsatz beim Onlineversand von Lebensmitteln nur einen Anteil von etwa einem Prozent am Gesamtumsatz der Branche hat, erwartet man hier hohe Zuwachsraten. Darauf hoffen auch die Ketten Edeka, Rewe und Kaufland und man rüstet da auf, wo sich Amazon ins gemachte Nest setzen will: in den großen Ballungsräumen.

Bilanz nach einem Jahr

Jetzt nach einem Jahr zog man bei Amazon erste Bilanz, und das Ergebnis wird den Erwartungen wohl kaum gerecht. Die Konkurrenten aus der Lebensmittelbranche in Berlin, Hamburg und München können sich noch entspannt zurücklehnen, die Umsätze mit Amazon Fresh sind für sie nicht besorgniserregend.

Anfang des Jahres ist die Bio-Kette Basic aus dem Service ausgestiegen. Laut Basic stand der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag. In Berlin sagt man, die Lieferdienste von Bringmeister und Rewe seien deutlich stärker ausgebucht als Amazon Fresh. Allerdings gibt es dazu keine konkreten Zahlen, und die beiden Konkurrenten haben unter Umständen eine geringere Kapazität.

Laut Einzelhandelsverband ist der Bereich der Lieferdienste ein starker Wachstumsmarkt, im letzten Jahr stieg der Umsatz in diesem Segment um knapp 20 Prozent. Für die Branche habe es aber keinen Wachstumsschub durch Amazon Fresh gegeben. Amazon will seinen Lieferdienst jetzt über die Preise attraktiver machen, dabei orientiert man sich an den Preisen der Konkurrenz in der betroffenen Stadt. Die Idee klingt vielversprechend, der Erfolg bleibt allerdings abzuwarten.

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